Der Wal

 

Haben Sie schon einmal gesehen, wie ein ca. 8 Tonnen schwerer Wal in einem Sea-World-Center fast 7m aus dem Wasser hochspringt und Kunststücke vollführt, wie z.B. über ein Seil zu springen? Eine große Herausforderung für das Tier und seinen Trainer!
Wie gelingt es einem Walund Delphintrainer nur, dass der Wal so etwas macht? Können Sie sich vorstellen, wie ein Manager die Sache anpacken würde? Er würde das Seil sofort 7m hochhängen, kein Gedanke an mögliche Fehlschläge. Er nennt das Strategische Planung. Nachdem das Ziel klar vor Augen ist, arbeitet er einen Plan zur Motivation des Wales aus.
Er hängt einen Eimer mit Fischen über das 7m hohe Seil und der Wal bekommt erst etwas zu Essen, wenn er die verlangte Leistung erbracht hat. Nun ruft der Manager vom Beckenrand aus: Spring, Wal!
Und der Wal bleibt genau da, wo er gerade ist.

Was also machen die Wal-Trainer anders?
Ihre oberste Priorität ist es, das Verhalten, das wiederholt werden soll, zu verstärken, also den Wal dazu zu bringen, das Seil zu überqueren. Sie gestalten die Trainingsumgebung so, dass auf jede erdenkliche Weise das Prinzip „Der Wal darf nicht scheitern“ sichergestellt wird. Sie starten mit dem Seil unter der Wasseroberfläche in einer Position, in der der Wal nicht anders kann, als das zu tun, was von ihm erwartet wird.
Jedes Mal, wenn der Wal über das Seil geht, bekommt er eine positive Verstärkung. Er wird mit Fischen gefüttert, man spielt mit ihm. Am wichtigsten ist, dass er diese Verstärkung bekommt.
Aber was geschieht, wenn der Wal unter dem Seil bleibt?
Nichts, keine Strafen, keine konstruktive Kritik, kein Prozess-Feedback und keine Einträge in die Personalakte. Dem Wal wird nicht beigebracht, das negatives Verhalten nicht anerkannt wird.
Positive Verstärkung ist der Eckpfeiler dieses simplen Verfahrens, das solch unglaubliche Ergebnisse hervorbringt. Und sobald der Wal öfter über als unter das Seil geht, fangen die Trainer an, das Seil höher zu setzen.
Es wird langsam genug höher gesetzt, sodass der Wal weder emotional noch physisch verhungert.
Eine einfache Lektion, die man von den Wal-Trainern lernen kann, ist also das Loben und den Misserfolgen keine Aufmerksamkeit zu schenken.
In erfolgreichen Unternehmen laufen 95% der Dinge richtig und gut. Aber welches Feedback bekommen die Mitarbeiter am meisten?
Richtig, die größte Aufmerksamkeit bekommen die 5%, die nicht perfekt funktionieren.
Das Gleiche gilt auch für uns als Eltern, Erzieher oder Mitmenschen.
In Zukunft denken Sie also immer daran: Wie hoch soll ich das Seil jetzt hängen?