Brüderlichkeit

Es waren einmal zwei Brüder, die auf einem Bauernhof lebten, den sie von ihren Eltern geerbt hatten. Der ältere war verheiratet, der jüngere ledig. Von morgens bis abends arbeiteten sie zusammen auf dem Hof. Dann teilten sie jeden Abend die Ernte zu gleichen Teilen unter sich auf. Eines Nachts jedoch dachte sich der Junggeselle: „Eigentlich ist es ja weder gerecht noch richtig, das Korn halb und halb zu teilen. Ich bin alleinstehend und brauche doch nicht viel.“ Also brachte er heimlich und ohne dass ihn jemand dabei beobachtet hätte, einen Sack Getreide zum Haus seines älteren Bruders. Zur gleichen Zeit dachte sich der verheiratete ältere Bruder: „Eigentlich ist es ja weder gerecht noch richtig, das Korn halb und halb zu teilen. Ich bin verheiratet, habe Frau und Kinder. Wenn ich einmal alt bin, werden meine Kinder für mich sorgen. Mein kleiner Bruder hingegen hat niemanden.“ Also brachte auch er, heimlich und ohne dabei beobachtet zu werden, einen Sack Getreide zum Haus seines jüngeren Bruders. So machten sie es fortan jede Nacht und wunderten sich nur darüber, dass sie gar nicht weniger Getreide als früher hatten. Eines Nachts jedoch passierte das Unvermeidbare: Als beide gerade dabei waren, den Sack vor die Tür des anderen zu legen, stießen sie gegeneinander. Da standen sie sich gegenüber, jeder von ihnen mit einem Sack über der Schulter und ihnen wurde klar, was ihnen jahrelang so merkwürdig vorgekommen war: Beide hatten die ganze Zeit über heimlich füreinander gesorgt. Sie legten die Säcke auf den Boden und umarmten sich in tiefer Dankbarkeit und Liebe.

 

 

Das Wunder

Einst geschah in einem Dorf ein Wunder: Der Fluss trat über die Ufer, doch das Wasser, das alles zu zerstören drohte, was sich ihm in den Weg stellte, machte wundersamer Weise am Rand des Dorfes halt, ohne irgendeinen Schaden anzurichten. Der Rabbi des Dorfes dankte Gott für das Wunder und dieser antwortete: „Es ist Samuels Bittgebeten zu verdanken, denn sie haben mich gerührt.“ Der große Rabbi ging zu Samuel, den alle für den Dorfnarren hielten und fragte er ihn: „Welches Gebet hast du denn an Gott gerichtet, als der Fluss über die Ufer trat?“ „Ich wusste nicht, welche Worte ich wählen sollte“, sagte Samuel, „Ich hatte mein Gebetbuch nicht dabei und ich hätte auch nicht gewusst, welches ich auswählen sollte….. Also betete ich das ABC herunter und sagte zu Gott: Herr, hier sind alle Buchstaben. Sortiere sie doch bitte und forme aus ihnen das beste Gebet, um dieses Dorf zu schützen.“    

 

 

 

 

 

Alles ist relativ

 

Albert Einstein zog mit seiner wissenschaftlichen Erkenntnis von einer Universität zur anderen, um seine Theorie zu erläutern. Er wurde stets von seinem Fahrer begleitet, der bei jeder Präsentation in einer Ecke saß, mit seiner Chauffeursmütze in der Hand und so immer wieder seinem Chef bei dessen Vortrag über die Relativitätstheorie zuhörte. Nachdem er den Vortrag viele Male gehört hatte, kannte er ihn beinahe auswendig. Schließlich sagte der Fahrer zu Einstein: "Ihre Präsentation, Ihr Vortrag und auch Ihre Theorie sind so einfach, dass ich nicht verstehe, warum so viele Menschen hier herkommen und ihr Interesse daran zeigen, warum das Fernsehen da ist und Bilder von Ihnen macht." Einstein entgegnete: "Sie glauben also, dass meine Theorie einfach ist?" "Ja", sagte sein Fahrer, "sehr einfach sogar. Ich selbst könnte diesen Vortrag halten und Ihre Theorie an der Universität erklären." Da sagte Einstein zu ihm: "Gut, das nächste Mal werden wir den Vortrag an der Universität von Utah machen und Sie werden ihn halten." "In Ordnung", meinte der Fahrer. Er trat an besagtem Ort mit seinen Folien für die Leinwand-Projektion an das Rednerpult. Einstein saß in der Ecke und tat so, als ob er der Fahrer sei; er hielt dabei die Mütze seines Fahrers in der Hand. Sein Fahrer hielt einen exzellenten Vortrag. Alle Menschen im Saal applaudierten stürmisch und hielten sich mit Bravorufen nicht zurück. Ein besonders eifriger Student wollte wissen, ob er eine Frage stellen dürfe. Der Fahrer bejahte selbstsicher. Daraufhin stellte der Studiosus eine äußerst knifflige Frage und der Fahrer wusste absolut nicht, was er darauf antworten sollte. Geistesgegenwärtig sagte er schließlich: "Die Antwort auf Ihre Frage ist doch so einfach, dass sogar mein Fahrer sie Ihnen geben kann …!"