DIE SCHNEEFLOCKE

 

Es war Winter.

Überall schneite es.


Im Wald saß eine Wildtaube auf einem Baumzweig. Still betrachtete sie das Schneetreiben. Da flog eine muntere Tannenmeise auf die Taube zu und setzte sich neben sie. "Guten Tag", sagte die Tannenmeise. "Ich grüße dich", erwiderte die Wildtaube. "Was gibt es Neues im Wald?"

"Die ganze Welt schneit ein", sagte die Tannenmeise. "Es kommen einem die seltsamsten Gedanken und Fragen bei diesem Wetter. Was meinst du, Wildtaube, was wiegt eine Schneeflocke?"

Die Wildtaube guckte in die Luft und verfolgte eine Schneeflocke nach der anderen, wie sie langsam und leise zu Boden fielen. "Eine Schneeflocke ist so leicht, dass sie gar nichts wiegt", antwortete sie. "Das habe ich auch gedacht", sagte die Tannenmeise. "Aber es stimmt nicht. Hör dir die wunderbare Geschichte an, die ich neulich erlebt habe:

Ich saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien begann. Es schneite nicht besonders heftig, sondern so wie jetzt. Lautlos und ohne Schwere fielen die Schneeflocken auf die Erde. Ich zählte die Flocken die auf die Zweige und Nadeln des Astes fielen und daran hängen blieben. Es waren über drei Millionen Schneeflocken.

Als die nächste Flocke nieder fiel - nicht mehr als ein Nichts -, brach der Ast ab. Denn die Schneelast war ihm zu schwer geworden."

Damit flog die Tannenmeise wieder davon. Nun hatte die Wildtaube etwas zum Nachdenken. "Das ist eine tolle Geschichte", dachte sie.

Und da sie ein kluger Vogel war, ein Tier, das die Menschen zum Friedens-Vogel erklärt hatten, begriff sie auch gleich, was diese Geschichte bedeutete. "Vielleicht fehlt nur die Stimme eines einzelnen Menschen zum Frieden in der Welt", sagte die Wildtaube. "Jeder einzelne Mensch und seine Stimme sind wichtig, damit am Ende Frieden wird." Und die Wildtaube freute sich über die Botschaft, die ihr die Tannenmeise gebracht hatte.



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