Die Kunst des Möglichen
 
Benjamin Zander, der Dirigenten der Boston Philharmoniker, versteht seine Aufgabe als Lehrender gegenüber seinen Schülern und als „Leader" – d.h. Führender gegenüber seinem Orchester in der Eröffnung immer neuer Möglichkeiten und der Erschließung neuer Kategorien für Beobachtbares. Er tut dies, indem er seinen Schülern und Mitarbeitern die Angst davor nimmt, Fehler zu machen. In seinen Augen ist die Angst vor dem eigenen Versagen das größte Hindernis beim Lernen. Denn Lernen wird möglich durch das Ausprobieren neuer Wege, das Aufnehmen unbekannter Informationen, die erst dann gewonnen werden können, wenn das Wagnis eingegangen wird, das gewünschte Ergebnis zu verfehlen.
In seinen Meisterklassen löst Benjamin Zander das Problem der Angst vorm Versagen auf kreative Weise: Er gibt jedem seiner Schüler am Anfang des Semesters die Note 1. Als Bedingung erwartet er lediglich, einen Brief, in welchem die Studierenden sich in „die Zukunft" versetzen und ihre Entwicklung aus der Perspektive in einem Jahr beschreiben sollen. In diesem Brief erläutern die Studierenden, was sie im vergangenen Jahr getan und gelernt haben, um zu ihrer sehr guten Leistung zu gelangen. Die gute Note am Ende des Jahres ist ihnen sicher, aber die Angst vor dem Versagen muss ab jetzt nicht mehr ihre Handlungen bestimmen. Hierdurch schafft Benjamin Zander ein Klima, in dem der Glaube an die eigenen Möglichkeiten wie ein Wunder wirken kann. Durch das Niederschreiben der konkreten Handlungsweisen erhöht er gleichzeitig die Verpflichtung, mit dem sich die Studierenden der Zielerreichung verschreiben. Denn wer die Aufgabe ernst nimmt, hat sich selbst die perfekte Straßenkarte für das eigene Vorankommen gezeichnet.
Wichtig ist hierbei, dass nicht er als Führender definiert, wie die Schritte dorthin auszusehen haben oder welche Leistung die Studierenden genau zeigen sollen, sondern dass er es jeder Person selbst überlässt zu entscheiden, was möglich und denkbar ist. Benjamin Zander umschreibt es mit eigenen Worten so: „Ich gebe Menschen eine Möglichkeit, in die sie hineinwachsen können, nicht eine Erwartung, die sie erfüllen müssen". Um die Angst vor Fehlern weiter zu reduzieren, macht er seine Studierenden mit einer gänzlich unbekannten Kultur bekannt: Jeden Fehler zelebriert er als Chance für neues Lernen, indem er die Studierenden lehrt auszurufen „wie interessant!", wenn sie sich selbst beim Fehler machen beobachtet haben. Man kann sich leicht vorstellen, wie signifikant sich die Atmosphäre seiner Unterrichts- und Probestunden unterscheidet von dem, was die meisten von uns kennen.
Als Schlüssel zum Potential bei sich und bei anderen gilt für ihn auch die wichtige Regel: „Nimm dich selbst nicht so verdammt ernst!". Die Kombination aus Vertrauen in das Vermögen der Menschen, mit denen er arbeitet, der Verantwortung für die eigene Entwicklung, die er in ihre Hände legt, der Neugierde, mit der er Fehler als potenzielle Chancen betrachtet und nicht zuletzt dem Humor, mit dem er sich und die Welt betrachtet - all das öffnet die Tür für Entwicklung und damit Wachstum.
Wenn wir uns selbst als "Leader" unseres eigenen Lebens betrachten - was bedeutet diese Herangehensweise für unseren Alltag? Sind wir die Leader, die wir sein könnten und erkennen wir als Führende das Potenzial, das wir in uns tragen? Schreiben Sie auf, was Sie hierfür – rückblickend - getan haben werden. Staunen Sie über Ihre Fehler.
Geben Sie sich für das kommende Jahr selbst die Bestnote und beschenken Sie sich mit dem Vertrauen, dass Sie es verdient haben werden!
 
 
 
              Jeder kann und darf mitsingen!                                     
                       "RUDELSINGEN"                   
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